Politbüro

Durchwurstler in chief: War das schlau von Ignazio Cassis?

Episode Summary

Was die Schweiz in der Welt macht? Durchwursteln. Zum ersten Mal in der Geschichte der Schweiz nennt das mit Ignazio Cassis auch ein Bundesrat so. War das ungeschickt? Oder nur ehrlich?

Episode Notes

Es war offensichtlich kein Zufall: Als die Journalisten der «Schweiz am Wochenende» nachfragten, ob er das wirklich so gemeint habe, durchwursteln, really?, da legte Aussenminister Ignazio Cassis noch einen drauf: «’Durchwursteln’ gilt medial gern als Makel. Ich sehe darin eher eine schweizerische Kernkompetenz: den besten Weg zu finden, um unsere Interessen zu wahren – Schritt für Schritt, mit gesundem Pragmatismus.» Eine Kernkompetenz sogar!

Durchwursteln seit 1904

Tatsächlich begleitet das Reden vom Durchwursteln die Schweizer Politik schon lange. Bereits im Dezember 1904, als im Parlament ein neuer Handelsvertrag mit Italien verhandelt wurde, sagte der Berichterstatter der Zollkommission, Frey, (mit Vornamen hatte man es in der Berichterstattung damals nicht so): «Man kann aber in der Tat viel vermischen, wenn man sich von einem Vertrag zum andern durchwurstelt und nicht von Anfang an fest entschlossen ist, die grossen Linien beständig vor Augen zu halten.»

Von da an wurde gewurstelt. Im Zweiten Weltkrieg, im Kalten Krieg, nach dem Kalten Krieg. Immer, wenn die Situation etwas komplizierter für den Kleinstaat wurde.

Es ist also nicht so, als ob das Konzept des Durchwurstelns ein unbekanntes wäre. Nur dass es ein Bundesrat so bezeichnet – das ist neu. Was bedeutet das? Warum hat das Cassis gemacht? War das Kalkül? Oder Ungeschick? Im Politik-Podcast «Politbüro» wursteln heute Jacqueline Büchi, Fabian Renz und Mario Stäuble. Sie sind zu Gast bei Philipp Loser.

Produzentin: Sara Spreiter